Montag, 24. Mai 2021

SK Rapid Wien II - SK Austria Klagenfurt 1:2 (1:2)

Österreich, 2. Liga, 30. Runde, 23.5.2021, Weststadion, 1050 Zuschauer

Ganze 203 Tage sind seit meinem letzten Spielbesuch am Sportplatz in St. Lambrecht vergangen. Nun war es endlich wieder soweit und just war das eines der sportlich wichtigsten Spiele in der jüngeren Geschichte der Austria. Mit einem Zähler Rückstand auf Aufstiegskonkurrenten Wacker Innsbruck musste man im Spiel gegen die zweiten Mannschaft vom SK Rapid jedenfalls mehr Punkte holen als die Tiroler, um in zwei Relegationsspielen gegen den letzten der Bundesliga, dem SKN St. Pölten, den Traum des Aufstiegs in die höchste Spielklasse verwirklichen zu können. Auch wenn man grundsätzlich eine Liga gewinnen sollte um in die nächsthöhere Liga aufzusteigen, ermöglicht es die verfahrene Situation der "Liga Zwa" mit nichtwollenden/-dürfenden/-könnenden Vereinen und Konstrukten, einen möglichen Aufstieg, wenn man die Tabelle vor allen weiteren Aufstiegskandidaten abschließt.

Für Spannung war jedenfalls gesorgt und nachdem Innsbruck am Tivoli tatsächlich keinen Punkt holte, wurde im Weststadion mit einem 2:1 Auswärtssieg am letzten Spieltag das Erreichen der Relegation gefeiert.

Wohltuend war neben dem Herzschlagfinale wieder so etwas wie Stimmung in einem Stadion wahrzunehmen, wenn Spielzüge und die Rapid-Viertelstunde beklatscht wurden. Auch eine kleine Fanabordnung aus Klagenfurt war anwesend und feierte den Erfolg mit der Mannschaft.

Vor dem Spiel wurde ums Stadion spaziert und die nahegelegene Erinnerungstafel am Gelände der ehemaligen Pfarrwiese besucht. Dort spielte Rapid zwischen 1912 und 1978, bevor sie ins alte Weststadion, dem ehemaligen Gerhard-Hanappi-Stadion, umsiedelte, an dessen Stalle sich nunmehr das neue Weststadion befindet. Eine nette Erinnerung findet man an der Rückseite der Gedenktafel für das Hanappi-Stadion, auf der alle dort gespielten Spiele aufgelistet sind. Unter anderem auch die Spiele der Austria Klagenfurt aus den 80er Jahren.



























Samstag, 1. Mai 2021

Zeitspiel #21

Zeitspiel #20, III/2020, 100 Seiten

"Selbstgestrickte Schals, maximal drei Spiele am Samstagabend in der Sportschau, selbst der FC Bayern war noch ein e. V., und international spielten ausschließlich die Meister von 32 europäischen Nationen um den Landesmeisterpokal. Kaum ein Spieler trug Tattoos, die Fanshops waren fahrbare Stände vor den Stadien, Bier hatte grundsätzlich Umdrehungen und zu essen gab es Bratwurst."
Fußballromantiker sprechen von einer vergangenen, besseren Zeit, die mit der Heutigen nicht mehr vergleichbar ist. Der Fußball war noch "unschuldig". Das Titelthema der 21. Zeitspiel-Ausgabe beschäftigt sich mit den prägenden Episoden der 80er Jahre, in denen zwischen Hooliganismus, Alltagsrassismus und der Modernisierung des Fußballs allerdings bei weitem nicht alles romantisch war.
Sportlich war das Jahrzehnt vom FC Bayern im Westen und vom BFC Dynamo im Osten geprägt, die mit ihrer Dominanz jeweils zu Serienmeistern wurden. Zumindest für die Münchner war es der Beginn einer bis heute anhaltende Dominanz im deutschen Fußball, während der von der Stasi unterstützte BFC als "Schiebermeister" bezeichnet wurde und nach dem Ende der DDR an Bedeutung verlor. Die Dominanz der einen hatte den sportlichen Absturz anderer zur Folge und so gerieten einige Altmeister, wie Hertha BSC, Eintracht Braunschweig oder Werder Bremen bereits zu Beginn der 80er in den freien Fall.
Rückenwind erhielt jedoch der Frauenfußball, der mit der Einführung eins Vereinspokals und eines Länderpokals sowie den ersten Länderspielen an Bedeutung gewann.

Weitere Themen im Heft beschäftigen sich mit einem drohenden Identitätsverlust der Sportfreunde Siegen den in der 5. Liga spielenden Stuttgarter Kickers oder dem "Heiligen Krieg", dem Derby zwischen Wisła und Cracovia aus Krakau, in Polen. 
Mit der Hugo-Kleinbrod-Kapelle findet aber auch die Austria aus Lustenau eine eher ungewöhnliche Erwähnung im Heft.

Freitag, 9. April 2021

Ballesterer #158

Ballesterer #158, März 2021, 84 Seiten

Setzt man sich mit den besten Fußballtrainern aller Zeiten auseinander, so wird man früher oder später über Béla Guttmann stoßen. Seine größten Erfolge, die beiden Titel als Trainer im Europapokal der Landesmeister 1962 und 1963 mit Benfica Lissabon aber auch seine Karriere als Sportler und die Person als Mensch sind diesmal Titelthema im Ballesterer.

Guttmann reiste mit seinem Fußball rund um den Globus und hinterließ seine Fußstapfen von Budapest bis Sau Paulo und drückte dem Fußball zu seiner Zeit einen persönlichen Stempel auf. Das machte ihn aber auch angreifbar und sorgte für unterschiedliche Konflikte. Als aktiver Sportler wurde er zweimaliger Meister mit MTK Budapest, bevor es ihn nach Wien zu Hakoah verschlug, wo er ebenfalls Meister wurde. Nicht alltäglich für Fußballer zur damaligen Zeit waren seine weiteren Stationen in New York. Die Vielzahl an Vereinen, für die er als Spieler und Trainer auflief bzw. arbeitete aber auch der Grauen des Nationalsozialismus bis hin zur ungarischen Revolution prägten seinen Charakter, der bis heute beeindruckt.

Zwei Portraits im Heft sind den beiden im Dezember 2020 verstorbenen Otto Barić und Paolo Rossi gewidmet. Während der Meistermacher Otto Barić ein Opfer der Coronapandemie wurde, verstarb das Idol einer ganzen italienischen Generation, Paolo Rossi, viel zu früh an einer Krebserkrankung.

Weitere Themen im Heft sind die neue Station von Startrainer José Mourinho bei Tottenham Hotspur, eine, aufgrund der diplomatischen Annäherung von Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten, mögliche Teilhaberschaft aus dem Umkreis der Königsfamilie bei Beitar Jerusalem, die vorübergehende Spielstätte von Türkgügü im Münchner Olympiastadion oder die, aufgrund der Coronapandemie, ins Stocken geratene Sanierung des Sport-Club Platzes. Auch die Einkesselung von rund 1.300 Rapid-Fans im Dezember 2018 wird erneut thematisiert.



 


Samstag, 6. März 2021

Ein Sommer mit Sleman

Andrin Brändle (2020): Ein Sommer mit Sleman. Freital: Blickfang Ultra, B&P Verlag. 195 Seiten.

Der aus seinem Groundhopping-Blog in der Szene bekannte Andrin Brändle (@andrinunterwegs) hat sich im Sommer 2019 auf eine Reise nach Indonesien begeben, um dort die Fans der Perserikatan Sepakbola Sleman, kurz PSS Sleman, rund um den Fußball zu begleiten. Seine abenteuerlichen Eindrücke hat er zu Papier gebracht und mit dem Buch "Ein Sommer mit Sleman" veröffentlicht.

Über den Indonesischen Fußball und seine Fanszenen ist in Europa im Allgemeinen relativ wenig bekannt und seltene Spielbesuche sind Exoten in Groundhoppingfanzines. Lediglich Youtube-Videos aus der einen oder anderen Kurve, zum Beispiel jene der PSS Sleman, finden meist unscharf den Weg auf die Smartphone- und Computerbildschirme. Der Reiz des Unbekannten und ein lokales Filmestival in seiner Heimatstadt St. Gallen, wo in einem Dokumentarfilm indonesische Fans begleitet wurden, haben den Autor dazu verleitet, diesen noch recht grauen Fleck auf der Fußballlandkarte auszuleuchten.

Nach direkter Kontaktaufnahme mit der Brigata Curva Sud (ja, viele indonesische Ultragruppen orientieren sich stilistisch und teils auch gesanglich an den italienischen Vorbildern), wurde das Abenteuer in Angriff genommen und der Sommer mit den Ultras der PSS Sleman verbracht. Über diese Zeit berichtet Andrin in einer Art von Tagebucheinträgen und jeder Menge Fotos über seine Eindrücke, die viel mehr preisgeben als nur Fußball. 

Mehr zum Buch findet man auf unter anderem auf Twitter @esms_official und den beiden oben genannten Links.

Samstag, 23. Januar 2021

Erlebnis Fußball #82

Erlebnis Fußball #82, 01/2021, 196 Seiten

In der ersten Ausgabe im neuen Jahr 2021 beschäftigt sich Erlebnis Fußball auf satten 130 Seiten mit der 1996 gegründeten Grazer Sturmflut. Die Gruppe aus der Fanszene des SK Sturm Graz steht im ausführlichen Interview Rede und Antwort zu unterschiedlichen Themen im Kontext ihrer Gruppe. Diese reichen von den Anfangsjahren, damals noch am alten Sturmplatz, in der Gruabn, über interne Herausforderungen mit der Jugendsektion bis hin zum Verhältnis zum Stadtrivalen GAK, Streetart in der Stadt und den Freundschaften zu den Gruppen aus Pisa, Carrara und Bremen. In der fast 25-Jährigen Geschichte ihres Bestehens ist die Sturmflut im Windschatten der Brigata zu einem nicht wegzudenkenden Bestandteil der Fanszene geworden.

In einem weiteren Interview bleibt man in Österreich und wechselt in eine Stadt, die ebenfalls von schwarz-weißen Farben dominiert wird. In Linz hat in den letzten Jahren der LASK auf mehreren Ebenen starkes Wachstum erlebt. Sportlich hat man es von den Dorfplätzen der Regionalliga bis ins Old Trafford geschafft und auch dem ersten Meistertitel nach 1965 ist man sehr nahegekommen. Die Fans organisieren sich unter dem Zusammenschluss der Landstrassler und schildern im Gespräch die emotional schwer einzuordnende Entwicklung rund um den LASK und in der Fanszene.

Ein weiteres Thema im Heft ist, wie bereits in Ausgabe 81, der Umgang von Ultras mit der Corona-Pandemie. Diesmal liegt der Fokus auf deutschen Szenen.
Weiters liest man über beeindruckende Streetart eines Frankfurter Künstlerkollektivs, das in der Stadt für Eintrachtmotive an Gebäudefronten sorgt und über Atromitos Athen, aus dem Vorort Peristeri der griechischen Hauptstadt.

Bedrückend ist der Artikel zum Massaker von Srebrenica, das sich im vergangenen Jahr zum 25. Mal jährte. Der Genozid an über 8000 Menschen durch serbische Truppen im Jahr 1995 ist immer noch fester Bestandteil der bosnischen Stadionkultur.